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Meinl - Aktuelle Urteile

Zusammenfassung der Entscheidung des OLG Wien zu 2 R 208/15w vom 27. Juni 2016

Bei dieser Entscheidung hat das Erstgericht gegen gegen die Meinl Bank AG nur die Hälfte des eingeklagten Schadens zugesprochen halben und gegen die Atrium European Real Estate Ltd den vollen Schadenersatz zugesprochen.

Dies weil das Erstgericht bei diesem konkreten Anleger der Ansicht war, dass dieser auf Grund seiner wirtschaftlichen Ausbildung, und auf Grund seiner bereits negativen Erfahrungen mit Aktien (vor MEL), bei der Veranlagung in MEL skeptischer sein hätte müssen und erkennen hätte müssen, dass die Werbung nicht richtig sein kann, wonach MEL eine sichere Veranlagung ist. Das Erstgericht ging daher von einem Mitverschulden des Anlegers von 50% aus und sprach daher die Hälfte zu.

Gegen die Atrium European Real Estate Ltd wurde allerdings dem Klagebegehrenn auf Grund der Haftung für die unrichtigen Ad hoc Meldungen Folge gegeben und diese verpflichtet den ganzen Schaden zu ersetzen.

Das Berufungsgericht hat dieses Urteil bestätigt und wurden die Berufungen der Meinl Bank AG und Atrium European Real Estate Ltd abgewiesen.

Wichtig an dieser Entscheidung ist, dass das OLG Wien ausdrücklich ausgeführt hat, dass dem Privatbeteiligtenanschluss Verjährungsunterbrechung zukommt und sämtliche Tatsachen im Zusammenhang mit den unrichtigen Ad-hoc-Mitteilungen mittlerweile gerichtsnotorisch bekannt sind und daher nicht mehr bewiesen werden müssen.

Dies auch für den Umstand, dass bei richtigen Ad-Hoc-Meldungen über gescheiterte Kapitalerhöhungen (Rückkäufe) sich diese Nachricht schnell verbreitet hätte und daher auch der Berater davon erfahren hätte, auch wenn er nicht Ad-Hoc-Meldungen gelesen hätte.

Somit hat das OLG Wien ausgeführt, dass die Kenntnis der unrichtigen Ad-Hoc-Mitteilungen durch die Berater zumindest gerichtsnotorisch ist.

Die ordentliche Revision wurde nicht zugelassen, da seitens des OLG Wien von der bisherigen höchstgerichtlichen Rechtsprechung nicht abgegangen wurde.

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Zusammenfassung der Entscheidung des OLG Wien zu 3 R 9/16i vom 23. Juni 2016

Das OLG Wien als Berufungsgericht hat der Berufung sowohl der Meinl Bank AG als auch der Atrium European Real Estate Ltd. nicht Folge gegeben, wodurch das Urteil erster Instanz rechtskräftig wurde und die Meinl Bank AG und die Atrium European Real Estate Ltd. verpflichtet sind, dem Anleger den gesamten Schaden zu ersetzen.

Die ordentliche Revision an den Obersten Gerichtshof wurde nicht zugelassen, da laut OLG Wien keine wesentlichen Rechtsfragen offen sind bzw. etwaige Rechtsfragen vom OGH bereits ausreichend beantwortet wurden.

Das OLG Wien hat mit dieser Entscheidung noch einmal bestätigt, dass dem Privatbeteiligtenanschluss Verjährungsunterbrechung zukommt, sodass die Ansprüche der Anleger nicht verjährt sind, wobei das OLG Wien auch ausgeführt hat, dass den Beklagten ohnedies der Beweis nicht gelungen wäre, dass die Anleger drei Jahre vor Klagseinbringung über ausreichende Informationen verfügt hätten, um bereits frühere eine Klage einzubringen, sodass auch ohne Privatbeteiligtenanschluss keine Verjährung eingetreten wäre, weil eben die Anleger nicht drei Jahre vor Klagseinbringung sämtliche Informationen hatten, die notwendig waren, um eine Klage einzubringen.

Das OLG Wien hat weiters bestätigt, dass die Atrium European Real Estate Ltd. für die unrichtigen Ad-Hoc-Mitteilungen haftet, auch dann, wenn der Anleger selbst die Ad-Hoc-Mitteilungen nicht gelesen hat, selbst dann, wenn der Berater selbst die Ad-Hoc-Mitteilungen nicht gelesen hat, weil davon auszugehen ist, dass bei einer richtigen Ad-Hoc-Mitteilung, mit welcher mitgeteilt worden wäre, dass die Kapitalerhöhungen nicht platziert werden konnten, der Kurs gesunken wäre und der Anleger bei einem solchen Kurs nicht gekauft hätte.

Darüber hinaus haftet auch die Meinl Bank AG als Beitragstäterin für die unrichtigen Ad-Hoc-Mitteilungen und haftet die Meinl Bank AG auch für die unrichtige Werbung, insbesondere für Aussagen wie „sichere Immobilienveranlagung in Zeiten stark schwankender Aktienmärkte“.

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Zusammenfassung der OLG-Entscheidung zu 3 R 5 /16a vom 27. Mai 2016

Das OLG Wien hat den Berufungen der beklagten Parteien nicht Folge gegeben und das vollinhaltlich stattgebende Teilurteil des Erstgerichtes ausdrücklich bestätigt.

Sowohl die Meinl Bank als auch die Atrium European Real Estate Limited bekämpften dieses Urteil und machten unter anderem geltend, dass keine irreführenden Prospektangaben vorlagen und auch keine unrichtigen Ad-hoc-Mitteilungen verbreitet wurden. Ebenso wurde die Verjährung der Ansprüche eingewendet.

Das Berufungsgericht bestätigte jedoch die Rechtsansicht des Erstgerichtes und bejahte ausdrücklich sowohl das Vorliegen unrichtiger Prospektangaben als auch die Verletzung der Ad-hoc–Meldepflicht durch die Beklagten. Nach Ansicht des OLG Wien waren die veröffentlichten Ad-hoc-Meldungen geeignet, bei den Anlegern den Eindruck hervorzurufen, dass sämtliche angebotene Zertifikate erfolgreich auf dem Markt untergebracht wurden. Tatsächlich sei dies aber nicht der Fall gewesen, vielmehr hätte eine andere Gesellschaft einen erheblichen Teil des Wertpapiervolumens erwerben müssen, um eine vollständige Platzierung zu erreichen.

Hinsichtlich des Verjährungseinwandes wurde auf die bereits zu dieser Frage früher ergangenen Entscheidungen des OLG Wien verwiesen, wonach der Privatbeteiligtenanschluss im Strafverfahren die Verjährung wirksam unterbrochen hat.

Die ordentliche Revision an den OGH wurde vom OLG Wien nicht zugelassen.

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Zusammenfassung der OLG-Entscheidung zu 3 R 99 /14x vom 13. Mai 2016

Mit dieser Entscheidung hat das OLG Wien der Berufung der zweitbeklagten Partei, der Atrium European Real Estate Limited gegen das zur Gänze stattgebende Teilurteil des Handelsgerichtes Wien nicht Folge gegeben. Das Verfahren gegen die erstbeklagte Partei Julius Meinl ruht.

Als Berufungsgründe wurden seitens der zweitbeklagten Partei Nichtigkeit, Mangelhaftigkeit des Verfahrens, Aktenwidrigkeit, unrichtige Sachverhaltsfeststellung und unrichtige rechtliche Beurteilung geltend gemacht.

Das Berufungsgericht bewertete die Berufung jedoch als nicht berechtigt und führte aus, dass die genannten Berufungsgründe nicht vorliegen. Insbesondere sei von der Unrichtigkeit des Kapitalmarktprospekts und der Verletzung der Ad-hoc-Meldepflicht auszugehen. Ausdrücklich hielt das OLG Wien auch fest, dass der Inhalt der Werbeunterlagen auch der Zweitbeklagten, nämlich der Atrium European Real Estate Limited zuzurechnen sei. Die Kurs – und veranlagungsrelevanten Informationen seien von der zweitbeklagten Partei vorgegeben gewesen, diese Umstände genügen für eine haftungsrelevante Mitwirkung der Zweitbeklagten an der Gestaltung des Inhalts der Werbeinformationen.

Zum Einwand der Verjährung führte das Berufungsgericht lediglich aus, es stehe im vorliegenden Fall nicht einmal fest, ob der Kläger zum Zeitpunkt der Klagseinbringung überhaupt schon von der Unvollständigkeit der Ad-hoc-Meldung Kenntnis erlangt habe, sodass auch der Beginn der Verjährungsfrist nicht vor dem März 2014 gelegen haben kann.

Die ordentliche Revision an den OGH wurde vom OLG Wien nicht zugelassen.

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Zusammenfassung der OLG-Entscheidung zu 2 R 181 /15z vom 29. April 2016

Das OLG Wien hat in diesem Fall der Berufung der beklagten Parteien, nämlich der  Meinl Bank und der Atrium European Real Estate Limited gegen das weitgehend stattgebende Urteil des Erstgerichtes (hinsichtlich des Zinsenbegehrens wurde nur die Erstbeklagte zur Zahlung verurteilt) nicht Folge gegeben und das Ersturteil bestätigt.

Als Berufungsgründe wurden seitens der beklagten Parteien Nichtigkeit, Mangelhaftigkeit des Verfahrens, Aktenwidrigkeit, unrichtige Sachverhaltsfeststellung und unrichtige rechtliche Beurteilung geltend gemacht. Insbesondere wurde auch die Feststellung des Erstgerichtes zur hypothetischen Alternativveranlagung bekämpft. Das Erstgericht stellte nämlich unter anderem fest, der Kläger hätte bei Kenntnis der Unrichtigkeit des Werbematerials sein Geld auf einem Sparbuch belassen bzw. in ein mit einer Kapitalgarantie ausgestattetes Wertpapier investiert.

Das Berufungsgericht bestätigte aber im Ergebnis die erstinstanzliche Beweiswürdigung und bejahte auch ausdrücklich das Vorliegen der Haftung beider beklagter Parteien für die unrichtigen Prospektangaben. Ebenso bestehe eine Haftung wegen unrichtiger bzw. verspäteter Ad-hoc-Meldung. Schließlich übernahm das OLG Wien auch die Feststellung des Erstgerichtes, wonach die Kläger bei vollständiger und richtiger Information über das Risiko jedenfalls kapitalerhaltend alternativ veranlagt hätten.

Hinsichtlich des Verjährungseinwands führte das Berufungsgericht aus, dass das Beweisverfahren nicht ergeben habe, dass die Kläger bereits mehr als 3 Jahre vor Klagseinbringung von der Unrichtigkeit der Ad-hoc-Meldungen Kenntnis erlangt hätten, sodass der Verjährungseinwand der Beklagten jedenfalls ins Leere ginge.

Die ordentliche Revision an den OGH wurde vom OLG Wien nicht zugelassen.

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Zusammenfassung der OLG-Entscheidung zu 1 R 217/15m vom 28. April 2016

Mit dieser Entscheidung hat das OLG Wien den Berufungen der Meinl Bank AG und der Atrium European Real Estate Limited nicht Folge gegeben und das Urteil der ersten Instanz bestätigt. In erster Instanz wurde den Klägern Schadenersatz für ihr Investment in MEL Zertifikate samt Zinsen und Kostenersatz zugesprochen.

In den Berufungen machten die Beklagten unter anderem auch geltend, dass die Erstklägerin als Versicherungsagentin und geprüfte Vermögensberaterin über ein besonderes Fachwissen verfügt und daher um das generell bestehende Risiko einer Veranlagung in Aktien bzw. Zertifikaten Bescheid wusste. Auch im Falle einer alternativen Veranlagung in Immobilienpapiere hätten die Kläger einen vergleichbaren Verlust erlitten. Abschließend wurde auch die Verjährung der Ansprüche eingewendet.

Das OLG Wien erachtete aber das Berufungsvorbringen als nicht überzeugend und wies in der Begründung darauf hin, dass für die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen bereits der Umstand ausreichend ist, dass der Inhalt der Werbebroschüre irreführend war. Die Kläger hätten im Vertrauen auf die Richtigkeit des Prospekts ihre Anlageentscheidung getroffen, die falschen Angaben der Erstbeklagten waren schadensauslösend. Nach den Feststellungen des Erstgerichtes sei überdies klargestellt, dass die Kläger die in Rede stehenden Beträge alternativ zumindest kapitalerhaltend angelegt hätten. Eine Verjährung sei schon deshalb nicht eingetreten, weil die Kläger ihre Ansprüche fristgerecht mittels Privatbeteiligtenanschluss im Strafverfahren angemeldet haben.

Die ordentliche Revision an den OGH wurde vom OLG Wien ausdrücklich zugelassen.

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Zusammenfassung der OLG-Entscheidung zu 4 R 162/15w vom 28. April 2016

Das OLG Wien hat eine Berufung der Meinl Bank AG gegen das Urteil erster Instanz, mit welcher diese zur vollen Entschädigung des Klägers verurteilt wurde, abgewiesen und das erstinstanzliche Urteil bestätigt.

Die Meinl Bank AG hat mit der Berufung geltend gemacht, dass die Ansprüche verjährt seien, weil dem Privatbeteiligtenanschluss, der für alle Anleger durchgeführt wurde, keine Unterbrechungswirkung zukommen würde. Mit Verweis auf die bereits bestehende Judikatur des OGH hat das OLG Wien nochmals klargestellt, dass die Ansprüche eben nicht verjährt sind.

Da die Ansprüche nicht verjährt sind und gestützt auf den Bericht der OeNB und auch auf die ständige Judikatur des OGH, wonach die Werbung irreführend ist, hat das OLG Wien die Entscheidung erster Instanz bestätigt, wonach die Meinl Bank AG für die irreführende Werbung zu haften hat.

Die ordentliche Revision an den OGH wurde nicht zugelassen, weil die Haftung der Meinl Bank AG für die irreführende Werbung und auch die Unterbrechung der Verjährung durch den Privatbeteiligtenanschluss der ständigen Judikatur des OGH entspricht.

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Zusammenfassung der OLG-Entscheidung zu 4 R 140/15k vom 29. März 2016

Mit diesem Urteil vom 29. März 2016 bestätigte das OLG Wien als Berufungsgericht ein Urteil des Handelsgerichtes Wien, mit dem die Atrium European Real Estate Ltd. (das Verfahren gegen die Meinl Bank AG ruht) zur Zahlung des Schadenersatzes in Höhe von EUR 93.503,28 samt Zinsen und Kosten verurteilt wurde.

Die Atrium European Real Estate Ltd. brachte in deren Berufung erneut vor, dass die unrichtigen Ad-Hoc-Mitteilungen (im konkreten Fall die unrichtige Ad-Hoc-Mitteilung zur Kapitalerhöhung im November 2006) nicht für den Schaden verantwortlich wären, da der Anleger die Ad-Hoc-Meldungen gar nicht gelesen hätte und daher er auch bei einer richtigen Ad-Hoc-Mitteilung, wo-nach die Kapitalerhöhung nicht platziert werden konnte, gekauft hätte.

Das OLG Wien verwies diesbezüglich auf die Judikatur des Obersten Gerichtshofes, wonach es nicht notwendig ist, dass der Anleger selbst die Ad-Hoc-Mitteilungen liest, sondern die Kausalität bereits dann gegeben ist, wenn er sonst irgendwie von einer richtigen Ad-Hoc-Mitteilungen erfah-ren hätte und in weiterer Folge nicht gekauft hätte.

Im konkreten Fall hätte der Berater Ad-Hoc-Mitteilungen gelesen und den Anleger entsprechend informiert, welcher dann zumindest skeptisch geworden wäre und wahrscheinlich nicht gekauft hätte. Dies war ausreichend, wie vom OLG Wien bestätigt, eine Kausalität der falschen Ad-Hoc-Mitteilungen herzustellen, weshalb die Atrium European Real Estate Ltd. auch für den Schaden haftet.

Die Revision an den Obersten Gerichtshof wurde nicht zugelassen, da das OLG Wien aussprach, dass diese Rechtsprechung zur Haftung der Atrium European Real Estate Ltd. ohnedies bereits der gesicherten Judikatur des Obersten Gerichtshofes entspricht. 

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Zusammenfassung der OLG-Entscheidung zu 5 R 97/15v vom 29. Januar 2016

Das OLG Wien als Berufungsgericht hat ein Urteil des Handelsgerichtes bestätigt, wonach sowohl die Atrium European Real Estate Ltd. (frühere MEL) als auch die Meinl Bank AG dem Anleger haften, insbesondere wegen Verbreitung falscher Ad-Hoc Mitteilungen wonach die Kapitalerhöhungen voll platziert worden wären, obwohl ein erheblicher Teil (bis zu 50%) der neu ausgegebenen Zertifikate mit Geld der MEL rückgekauft wurden.

Das Handelsgericht hat festgestellt, dass bei richtigen Ad-Hoc Meldungen der Kurs bereits zum Zeitpunkt der gescheiterten Kapitalerhöhungen im Jahr 2005, bzw. 2006 und 2007 eingebrochen wäre und in diesem Fall der Kläger nicht investiert hätte.
Auch diese Feststellung wurde vom OLG Wien bestätigt. Die ordentliche Revision an den OGH wurde allerdings zugelassen, weil laut OLG Wien Rechtsprechung des OGH zu Verfahren fehlt, bei denen die erste Instanz einen Kurseinbruch bei richtigen Ad-Hoc Mitteilungen feststellt.

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Zusammenfassung der OGH-Entscheidung zu 6 Ob 98/15b vom 14. Januar 2016

Mit dieser Entscheidung hat der OGH eine Revision der Atrium European Real Estate Ltd. gegen ein Urteil des OLG Wien, mit dem das erstinstanzliche Urteil bestätigt wurde, wonach die Atrium European Land Ltd. dem Kläger den gesamten Schaden zu ersetzen hat, mangels erheblicher Rechtsfrage zurückgewiesen.

Die Besonderheit in diesem Verfahren, ist, dass der Kläger teilweise vor den unrichtigen Ad-Hoc-Mitteilungen gekauft hat, allerdings das Erstgericht bzw. auch das Berufungsgericht zur Überzeugung kam, dass der Kläger, hätte die Atrium European Real Estate Ltd. richtige Ad-Hoc-Mitteilungen veröffentlicht, seine bereits zuvor gekauften MEL-Zertifikate noch rechtzeitig ohne Verlust hätte verkaufen können, weshalb die Atrium European Real Estate Ltd. dem Kläger auch den gesamten Schaden zu ersetzen hatte, also auch für jene Zertifikate, die der Anleger vor den unrichtigen Ad-Hoc-Mitteilungen über die angeblich erfolgreiche Kapitalerhöhung gekauft hat.

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Zusammenfassung der OGH-Entscheidung zu 4 Ob 112/15x vom 15. Dezember 2015

Die Kläger (deutsche Staatsbürger) haben mit der Klage geltend gemacht, dass die Meinl Bank AG diese durch die Werbung, wonach MEL eine sichere Immobilienveranlagung sei, listig und somit vorsätzlich irregeführt hat.

Der OGH kam in diesem Fall zur Entscheidung, dass deutsches Recht anzuwenden ist, weil die Beratung in Deutschland stattgefunden hat und die Kläger auch in Deutschland sich zur Investition in MEL entschieden haben und daher zum deutschen Recht die „stärkere Beziehung“ besteht.

Der OGH hat in weiterer Folge nach deutschem Recht geprüft, ob die Anleger einen Anspruch haben und hat dies mit der Begründung bejaht, dass auch nach deutschem Recht die vorsätzliche, sittenwidrige Schädigung haftbar macht.

Der OGH hat dazu ausgeführt, dass das Verschweigen der Risiken sittenwidrig und vorsätzlich erfolgte, und der Vorsatz an einem unbestimmten Adressatenkreis irreführende Werbung zu verbreiten, den Vorsatz mitumfasst, eine Schädigung der Anleger in Kauf zu nehmen.

Die Kläger haben ihren Kaufpreis samt Zinsen erhalten.

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Zusammenfassung der OLG-Entscheidung zu 5 R 108/15m vom 29. September 2015

Mit dieser Entscheidung hat das OLG Wien einer Berufung der Meinl Bank AG nicht Folge gegeben und auch die außerordentliche Revision  nicht zugelassen, sodass die Meinl Bank AG auf Grund dieses Urteils an den Kläger vollen Schadenersatz (samt Zinsen) leisten musste.

Das Besondere an dieser Entscheidung ist, dass der OLG Wien erstmals ausgesprochen hat, dass die Judikatur zur Haftung der Meinl Bank AG für unrichtige Werbung auch dann greift, wenn der konkrete Kläger eine Broschüre gelesen hat, auf welcher die Meinl Bank AG nicht auf der letzten Seite als Herausgeberin aufscheint.

Es waren, insbesondere bei dritten Banken, die MEL-Zertifikate verkauft haben, Broschüren in Umlauf, auf welchen auf der letzten Seite nicht die Meinl Bank AG aufschien, wie bei jenen Broschüren, die über die Berater verbreitet wurden, sondern die Meinl European Land Ltd.

Dazu hat das OLG Wien ausgeführt, dass auch bei diesen Broschüren eine gedankliche Zurechnung zur Meinl Bank AG besteht, da diese mehrfach in der Broschüre genannt wird, dahingehend dass die Meinl Bank AG hinter MEL steht und auch die Homepage der Meinl Bank AG angeführt ist.

Aus diesem Grund entschied das OLG Wien, dass die Meinl Bank AG auch für diese Werbebroschüren haftet, weil diese irreführend waren.

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Zusammenfassung der OGH-Entscheidung zu 6 Ob 71/15g vom 27. Mai 2015

Mit dieser Entscheidung hat der OGH klargestellt, dass der für sämtliche „AdvoFin-Anleger“ durchgeführte Privatbeteiligtenanschluss im Strafverfahren gegen Julius Meinl und andere, in welchem auch die Atrium European Land Ltd. und die Meinl Bank AG auf Basis der Verbandsverantwortlichkeitsgesetzes Beschuldigte sind, die Verjährung gehemmt hat und daher diesen Anlegern weiterhin sämtliche Anspruchsgrundlagen offenstehen.

Des Weiteren hat der OGH seine bisherige Rechtsprechung bestätigt, dass die Atrium European Real Estate Ltd. für die unrichtigen Ad-Hoc-Mitteilungen haftet, mit denen verlautbart wurde, dass die Kapitalerhöhungen voll platziert wurden, obwohl ein erheblicher Teil mit Geldern der MEL aufgekauft wurde, da nicht genügend Nachfrage nach neuen Zertifikaten an der Wiener Börse bestand.

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Zusammenfassung der OGH-Entscheidung zu 4 Ob 239/14x vom 24. März 2015

Dieses Urteil erging gegen die Atrium European Real Estate Ltd. (frühere Meinl European Land Ltd.).

Der OGH hat die Entscheidung der Vorinstanz bestätigt, dass die Atrium European Real Estate Ltd. dem Kläger seinen Schaden, der ihm aus seiner Investition in MEL entstanden ist, zu ersetzen hat.

Der OGH hat mit dieser Entscheidung seine bisherige Rechtsprechung bestätigt, dass die Atrium European Real Estate Ltd. für die unrichtigen Ad-Hoc-Mitteilungen, mit welchen verbreitet wurde, dass Kapitalerhöhungen voll platziert wurden, obwohl ein erheblicher Teil der Kapitalerhöhung nicht „verkauft“ werden konnte, weil keine ausreichende Nachfrage bestand und daher von einer karibischen Gesellschaft, der Somal A.V.V., mit Geldern der MEL übernommen wurde, unrichtig war und daher die Atrium European Real Estate Ltd. für die Verbreitung dieser unrichtigen Meldungen haftet.

Des Weiteren hat der OGH bestätigt, dass es nicht notwendig ist, dass der jeweilige Kläger/Anleger selbst Ad-Hoc-Mitteilungen gelesen hat, sondern reicht aus, dass der Anleger irgendwie von einer richtigen Ad-Hoc-Mitteilung, dass die Kapitalerhöhung nicht platziert werden konnte bzw. erhebliche Mittel von der MEL aufgewendet wurden, um in eigene Zertifikate zu investieren, erfahren hätte, entweder durch seinen Berater oder auch über die allgemeinen Medien.

Wichtig ist an dieser Entscheidung auch, dass der Anleger nur mit „überwiegender Wahrscheinlichkeit“ anstelle des Regelbeweismaßes der hohen Wahrscheinlichkeit beweisen muss, dass er bei einer richtigen Ad-Hoc-Mitteilung nicht investiert hätte.

Des Weiteren hat der OGH klargestellt, dass es nicht darauf ankommt, ob der Vorstand der MEL wusste, dass die Ad-Hoc-Mitteilungen falsch sind oder nicht, denn jedenfalls hat der Vorstand der MEL die Verpflichtung getroffen, alle möglichen Schritte zu unternehmen, um sich von der Richtigkeit der Ad-Hoc-Mitteilungen zu vergewissern, bevor diese veröffentlicht wurde.

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