Milde Haftstrafen für die Ex-AMIS-Chefs

Kuen wurde vom Betrug freigesprochen. Gegen Gänsdorfer wird in einem eigenen Strafverfahren verhandelt.

Der „kurze Prozess" um den 62-Millionen € Anlagebetrug bei der Wiener Finanzfirma AMIS ging am Donnerstag nach nur neun Verhandlungstagen im Wiener Konferenzzentrum unspektakulär zu Ende.

Richterin Daniela Setz-Hummel verlas am Abend die Urteile: Der geständige AMIS-Zampano Harald Loidl, verteidigt von Ernst Schillhammer, und sein Ex-Geschäftspartner Dietmar Böhmer, verteidigt von Ewald Scheucher, bekamen je fünfeinhalb Jahre unbedingte Haft. Die Nummer drei im AMIS-Bund, Ex-AMIS-Vorstand Thomas Mitter, verteidigt von Franz Pechmann, bekam eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren und eine Finanzstrafe in Höhe von einer Million € bzw. sechs Monate Ersatzfreiheitsstrafe.

Der frühere AMIS-Portfolio-Manager Alban Kuen, verteidigt von Norbert Wess, wurde vom Betrug freigesprochen. Für die Abgabenhinterziehung fasste er 53.000 € Strafe aus oder sechs Wochen Ersatzhaft.

Milder Ankläger

„Es wurde den Angeklagten recht leicht gemacht", sagte Staatsanwalt Krakow. „Es habe zwar Indizien für Betrug gegeben, aber nichts ist geschehen. Man hielt die Angeklagten nicht auf." Dabei hob der Ankläger die Mitarbeiter, Franchisenehmer, Depotbanken, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, die Finanzmarktaufsicht und die Luxemburger Aufsichtsbehörde hervor. „Aus generalpräventiven Gründen forderte er „spürbar lange Haftstrafen" für die Angeklagten.

Einerseits führte er als Milderungsgründe die bisherige Unbescholtenheit und die Geständnisse der Angeklagten an. Andererseits seien der hohen Schadensbetrag und die lange Tatzeitraum Grund genug für eine Strafverschärfung.

Aus dem Strafprozess gehen die Geschädigten leer aus

Leer ausgegangen sind jedenfalls die geschädigten AMIS-Anleger, die sich am Strafverfahren als Privatbeteiligte angeschlossen haben. Die Angeklagten haben bloß „moralisch", aber nicht juristisch einen finanziellen Schaden anerkannt. Das heisst, den AMIS-Opfern wurde in diesem Strafverfahren nicht einmal ein Cent des Schadens zugesprochen.

Damit werden die Geschädigten auf den Zivilrechtsweg verwiesen

Wir, vom AMIS Sammelklageverein sind sehr bemüht, für Sie als Geschädigte alles zu unternehmen, damit wir die verlorenen Gelder von den Haftungsadressaten zurückholen und wir sind zuversichtlich, dass uns dies in entsprechendem Umfang gelingen kann.