Immofinanz zahlt 64,8 Mio. an Anleger

Der österreichische Prozessfinanzierer AdvoFin und die börsennotierte Immofinanz ziehen unter einen jahrelangen Rechtsstreit einen dicken Schlussstrich. Sie haben sich auf eine außergerichtliche Lösung zur Entschädigung von rund 3000 Immofinanz-Anlegern geeinigt. Damit werden etwa 500 Zivilprozesse samt groß angelegte Sammelklagen auf einen Schlag beendet.

„Die neue Führung der Immofinanz und der Vorstand der Aviso Zeta haben sich sehr bemüht, die Altlasten aus der Zeit von Ex-Immofinanz-Boss Karl Petrikovics zu bereinigen. Wir haben aus unserer Sicht ein gutes Ergebnis erzielt“, sagt AdvoFin-Vorstand Franz Kallinger im Gespräch mit dem KURIER. „Uns wurde ein akzeptables Entschädigungsangebot vorgelegt. Denn den Anlegern wird 50 Prozent des Schadens ersetzt.“ Nachsatz: „Die Zivilprozesse waren sehr zeit- und kostenaufwendig.“ Unterm Strich zahlt die Immofinanz rund 64,8 Millionen Euro an den Prozessfinanzierer zur weiteren Verteilung an die Opfer. AdvoFin erhält davon für die Übernahme der Prozessrisiken, für die Abdeckung der Gerichts- und Klagekosten sowie der Anwaltshonorare eine Erfolgsquote von 34 Prozent.

Mit Vergangenheit abschließen

„Die Vereinbarung beinhaltet damit auch den Großteil der derzeit beim Handelsgericht Wien sowie beim Bezirksgericht für Handelssachen Wien anhängigen Anlegerverfahren  gegen die Immofinanz AG, die ehemalige Immoeast AG, heute Imbea, und die Aviso Zeta AG, die vormalige Constantia Privatbank AG“, heißt es dazu von dem Immo-Konzern.

Weitere Vergleiche geplant

„Wir wollen mit der Vergangenheit abschließen und in die Zukunft blicken“, erklärt Stefan Frömmel, Vorstand der Aviso Zeta AG. „Eine baldige Beendigung der noch offenen Anlegerverfahren, die sich jetzt schon seit rund sieben Jahren hinziehen, ist hier ein ganz wichtiger Schritt.“ Für die anderen noch laufenden Anlegerverfahren strebt die Immofinanz ebenfalls Vergleiche an.“ Nachsatz: „Wir sind bereits mit weiteren Anlegeranwälten im Gespräch. Unser Ziel ist es, sehr zeitnah eine vollständige Erledigung dieses Kapitels zu erreichen.“

Anleger müssen zustimmen

Nun müssen noch die betroffenen Anleger dem Deal zustimmen. In den nächsten Tagen wird Advofin die Anleger in persönlichen Briefen über die Details des Vergleichsangebots informieren.  „Der darin angeführte Auszahlungsbetrag basiert auf individuellen Berechnungen unter Heranziehung des Schadens, der zum Zeitpunkt der Klagseinbringung bestand“,  erklärt Advofin-Vorstand Kallinger. Anleger, die das Angebot bis spätestens Mitte Dezember 2015 annehmen, erhalten den Betrag voraussichtlich im Laufe des Januar 2016 ausbezahlt.

Hohe Zustimmungsquote

„Ich erwarte einen sehr hohen Zuspruch für diesen Vergleich, da er in Hinblick auf den derzeitigen Verfahrensstand in den zivilgerichtlichen Verfahren angebracht und fair ist“, sagt der Prozessfinanzierer. „Denn es ist leider nicht absehbar, wann die gerichtliche Aufarbeitung dieser Causa beendet sein wird.“ Nachsatz: „Das relevante Strafverfahren hat bisher noch nicht einmal zu einer Anklage geführt.“ In den meisten Zivilgerichtsverfahren wäre daher mit einer weiteren Prozessdauer von mehreren Jahren zu rechnen. Kallinger: „Und das kann nicht länger im Sinne der geschädigten Anleger sein.“

Kid Möchel / (Kurier) Erstellt am 02.11.2015, 17:34