Der spektakuläre Einstieg von Banijay Entertainment bei der Tipico-Gruppe sorgte international für Schlagzeilen. Auf Malta jedoch fanden – weitgehend unbeachtet – jene Schritte statt, die für Spielerklagen und potenzielle Rückforderungsansprüche, ganz besonders für unsere Kunden in Deutschland, wo Tipico Marktführer im Glücksspielbereich war bzw. ist, besonders relevant sein könnten.
Kurz vor Abschluss der Übernahme durchliefen die maltesischen Gesellschaften Tipico Co Ltd (Sportwetten) und Tipico Games Ltd (Glücksspiel) eine tiefgreifende interne Reorganisation:
- Die zentrale Marke + das laufende Geschäft wurden aus den Gesellschaften „herausverkauft“.
- Über eine Milliarde Euro an Dividenden, welche sich auf Basis des Gewinns aus dem „Herausverkaufen“ ergeb, wurde an die Muttergesellschaft ausgeschüttet.
- Damit sank das Eigenkapital der beiden operativen Gesellschaften auf ein Minimum.
All diese Maßnahmen waren rechtlich zulässig und offengelegt – hinterlassen jedoch eine klare Schieflage: Die nun erheblich „verschlankten“ Gesellschaften verfügen kaum noch über Mittel, um möglichen historischen Haftungsrisiken zu begegnen. Sollten österreichische bzw. deutsche Gerichte und der EuGH weitere Leitlinien zur Erstattung von Spielverlusten erlassen (was zu erwarten ist), könnten die betroffenen maltesischen Einheiten mit Forderungen konfrontiert sein, denen sie finanziell kaum standhalten können.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: klagsbedrohte Gesellschaften, welche über viele Jahre hinweg illegales Onlineglücksspiel (unter anderem) in Österreich und Deutschland angeboten und dabei hunderte Millionen Euro von den Spielern erhalten haben, werden massiv entreichert und quasi ins Aus gestellt. Dies knapp vor wichtigen Grundsatzentscheidungen des EuGH .
AdvoFin und die beauftragten Rechtsanwälte bleiben an der Sache dran. Gerade die Haftung der beteiligten Personen bzw. sonstiger Gruppengesellschaft rückt mit solchen Aktionen immer mehr in den Fokus. Wir halten Sie unterrichtet.
Stefan Bohar
Vorstand
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