CPB/Immofinanz 4 – Immofinanz schon Mitte 2008 mit Liquiditätsproblem

CPB/Immofinanz – Beschuldigte dementieren, Kritik von Anlegeranwalt

Neues Immofinanz-Management will Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen …

Immofinanz -Problemprojekte: Boden kontaminiert, "Fetzenstandl"

Objekte angeblich ohne Prüfung angekauft – Millionen zu viel bezahlt …

CPB/Immofinanz 3 – Riskante Fonds, CPB-Leistung "de facto null"
Zeuge: Leistungen über 100 Mio. Euro fingiert – Probleme in Töchtern …

Ein weiteres Thema der Befragungen der ehemaligen Constantia-Privatbank-Mitarbeiter G. und S. – die entsprechenden Protokolle liegen der APA vor – waren finanzielle Probleme von Immofinanz und Immoeast sowie Darlehensvergaben innerhalb des Firmenkonglomerats CPB/Immofinanz/Immoeast. Nach Meinung der Zeugen wurden hierfür oftmals zu wenig Zinsen gezahlt, die Bonität der Schuldner sei nicht ausreichend geprüft worden.

Bereits im Juli 2008, so S. am 24. Februar 2009 gegenüber dem Staatsanwalt, sei die Liquiditätssituation der Immofinanz "erkennbar angespannt" gewesen. "Aufgrund interner Planungen ergab sich in einem Negativszenario die Insolvenz mit Ende Januar 2009." Ab Mitte 2007 seien, gab S. am 2. Februar 2009 zu Protokoll, für Immoeast und Immofinanz wöchentlich Finanzpläne erstellt worden. Rechnerisch lasse sich die Überschuldung der Immofinanz mit dem Absinken des Börsekurses zu Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 feststellen. "Dies insofern, als die IF ein UGB-Eigenkapital von rund 3 Mrd. Euro hat und der Beteiligungsbuchwert an der IE bei 3,8 Mrd. Euro lag", führte S. aus. Und weiter: "Unterstellt man Börsekurse von um 1 Euro für die IF, dann wäre das gesamte Eigenkapital der IF negativ. Das war bereits 2008 der Fall." Die Aktionäre wollte man damit offenbar nicht behelligen: Er, S., habe im Zuge dieser Erkenntnis Sonderberichte für den Aufsichtsrat angefertigt, die er Vorstand Christian Thornton übermittelt habe. Hernach habe der Sonderbericht in "Bericht zur Liquiditätslage" umbenannt werden müssen, "um eine allfällige Adhoc-Mitteilung zu umgehen", so S. am 24. Februar 2009.

Auch puncto Immoeast-Kapitalerhöhung 2007 kam S. einiges spanisch vor: Die Mutter Immofinanz habe damals gar nicht über die Liquidität verfügt, um wie angekündigt bei der Kapitalerhöhung mitzuziehen. Aus diesem Grund, so S., seien von einem auf die Immoeast lautenden Konto "Kapitalerhöhung" Beträge von der Immoeast an die Immofinanz – seiner Erinnerung nach über die IBAG – überwiesen worden. "Die IE hat daher mE den Erwerb der jungen Aktien durch ihre Muttergesellschaft IF indirekt finanziert", meinte S. Im Prospekt seien die Anleger darüber aber nicht informiert worden. Die Due Diligence ist aus Sicht von S. nicht sorgfältig erfolgt – "obwohl das Ausmaß der verrechneten ‘Leistungen’ der Berater enorm hohe Beträge erreichte".

Puncto IBAG-Forderungen war möglicherweise bereits 2007 Feuer am Dach: Petrikovics und Thornton hätten im November um 7:30 Uhr ein Krisengespräch gehabt, er, G. und andere Mitarbeiter seien dann für 8:00 Uhr geladen gewesen. "Wenn sich CUT mit KPE um 7:30 Uhr trifft, muss ein schwerwiegendes Problem bestehen. Ich vermute, dass das Problem die Höhe des Saldos war", gab auch G. am 15. Jänner 2009 zu Protokoll. Man sei wohl geladen worden, um festzustellen, "wo das Geld hingeflossen ist." S. meinte über das Treffen bei der Vernehmung am 23. Jänner 2009: "Es ging im Wesentlichen darum, sämtliche von IE an die IBAG ‘weitergeleiteten’ Beträge in ein formales Rechtskleid zu hüllen." Bis dahin seien die Beträge in der Regel nur von IE-Konten abgebucht worden, "ohne dass es hierfür eine dokumentierte Rechtsgrundlage gegeben hätte. Ich glaube, dass alle nach dem Bilanzstichtag der IE zum 30.4. ‘abgeholten’ Beträge nunmehr unter diesem Titel (Anleihe) laufen sollten." Thornton habe im Laufe der Besprechung gemeint, dass man "alle Buchungstexte ändern müsste", was er, S., und seine drei Kollegen jedoch abgelehnt hätten.

Insgesamt seien innerhalb des Konzernverbunds "sicher hunderte" Darlehen vergeben worden, so S. diese Woche am Handelsgericht. Als Treuhänderin habe die Immofinanz Corporate Finance (IFCF) fungiert, aus steuerlichen Gründen seien die Darlehensabreden nur mündlich, aber nicht schriftlich erfolgt.

Brisant auch S.’ Aussagen zu Aktienkäufen durch die Constantia Privatbank: "Die Bank hat immer mehr Aktien der IF und IE verkauft als sie hatte", gab der Zeuge am 2. Februar 2009 an. Das Geldhaus sei "immer ‘short’ gegangen. … Um den Wirtschaftsprüfer zu beruhigen, stellte man immer im nachfolgenden Jahr eine Kapitalerhöhung der IE oder IF in Aussicht." In Zeiten hoher Nachfrage – 2006, 2007 und vielleicht auch noch Anfang 2008 – nach Immoeast-Aktien habe die CPB vom Wertpapierdepot der Immofinanz IE-Aktien entnommen und sie dann mit einem entsprechenden Saldo auf dem Konto namens "Wertpapierleihe" ausgewiesen. "Meines Wissens handelte es sich hier um wesentliche Transaktionen, die zum Teil ein Absinken des beherrschenden Anteils der IF an der IE unter die Kontrollschwelle bewirkte. Adhoc-Meldungen diesbezüglich gab es nicht", so S.